Skulpturenpfad

Der Skulpturenpfad der Kulturstiftung Friedrichsdorf

Die seit dem Jahr 2000 bestehende Kulturstiftung Friedrichsdorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kunst und Kultur zu fördern. Neben den musikalischen Bereichen, für die zahlreiche Förderprogramme bestehen, wandte sich die Stiftung mit ihrem neuen Projekt der Sparte der Bildenden Kunst zu. An verschiedenen Orten im Stadtgebiet sollen in den nächsten Jahren in Material und Komposition unterschiedliche Skulpturen entstehen, die sich zu einem Skulpturenpfad verbinden. Gewünscht ist, möglichst vor Ort eine Auseinandersetzung der Kunst mit der Bevölkerung zu erreichen. 

Um zunächst eine breite Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für dieses Vorhaben zu erreichen, wurde für das erste Objekt ein international renommierter Künstler gewählt. Der Frankfurter Bildhauer Professor Claus Bury konnte für diese erste Arbeit gewonnen werden. Weitere Künstler sollen vor allem dem kreativen Nachwuchs entstammen. Mittels eines Wettbewerbes werden sie aufgefordert, für einen vorher bestimmten Platz eine Skulptur zu entwerfen.

 

Skulptur „ Im Gleichgewicht“

Bury schuf eine großformatige Skulptur für den Rathausvorplatz, die der Stiftungsvorstand am 08. Oktober 2006 der Öffentlichkeit vorstellte. Ausgeführt wurde die Arbeit von der Firma Arnold AG, die ihren Sitz in Friedrichsdorf hat und über große Erfahrungen in diesem Bereich verfügt. Das Kunstwerk erhebt sich auf einem eigens dafür gepflasterten Sockel.

„Im Gleichgewicht“ lautet der Titel der 530 cm langen, 260 cm hohen und 86 cm breiten Corten-Stahlskulptur. Rhythmus in Form gegenläufiger Bewegungen, federnde Spannkraft in Form von Schwingung und Leichtigkeit kontrastieren den Eingangsbereich sowie die Fassade des Anfang der 1970er Jahre erbauten Rathauses, wobei die drei übereinander positionierten Elemente von Kreis, Ellipse und Balken im absoluten „Gleichgewicht“ zueinander stehen, ein Balancieren verschiedener ineinander greifender Formen, die das Gefühl von Stabilität als auch von Labilität suggerieren. 

Das Material – Corten-Stahl – ist eine Stahllegierung, die sich durch eine hohe Witterungsbeständigkeit auszeichnet. Die Oberfläche von Corten-Stählen ist mit einer besonders dichten Eisenoxidschicht überzogen, die für die hohe Rostbeständigkeit verantwortlich ist: Sie fungiert als Sperrschicht, die einen weiteren Zutritt feuchter Umgebungsluft verhindert und damit einen weiteren Rostangriff vermindert. In Verbindung mit Wasser oxidiert der Stahl und erhält dadurch eine ganz eigene Patina, die ständig ihre Farbigkeit verändert.

 

Skulptur „Zwieback“

Der Friedrichsdorfer Künstler Eckhard Gehrmann konzipierte in 2013 die zweite Skulptur des Skulpturenpfads. Er griff dabei ein wichtiges Thema der Friedrichsdorfer Wirtschaftsgeschichte auf und stellte so den direkten Bezug zu seiner Heimatstadt her. Denn Friedrichsdorf wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert als „Stadt des Zwiebacks“ weltbekannt. Am 28. September 2013 enthüllte der Vorsitzende der Kulturstiftung, Bürgermeister Horst Burghardt, die Zwieback-Skulptur auf der Verkehrsinsel Prof.-Wagner-Straße / Am Viadukt. Der Standort verweist durch seine Nähe zum Gelände der Firma Milupa, die ihre Wurzeln in einer Zwiebackfabrik hat, ebenfalls auf diesen traditionsreichen Wirtschaftszweig.

Eckhard Gehrmann ging zunächst von der realen Form und Beschaffenheit des Zwiebacks aus. Als Vorlage diente ihm das Produkt der Firma Praum, die noch bis Anfang des 21. Jahrhunderts in Friedrichsdorf das Dauergebäck herstellte. Zunächst erstellte Gehrmann Zeichnungen, die die Struktur und die Verteilung der charakteristischen Gärbläschen des Hefeteigs wiedergaben. Diese Entwürfe mussten anschließend ins Dreidimensionale übertragen werden. Als Material wählte der Künstler Corten-Stahl. Seine durch Oxidation entstehende rostrote, raue Oberfläche erschien ihm für das Sujet besonders geeignet. Mit der Ausführung wurde wie bei der ersten Skulptur die Firma Arnold AG beauftragt.

Die Skulptur mit einer 2,40 m Höhe und einer Breite von 1,80 m besteht aus zwei, leicht versetzt angeordneten Scheiben. Die rhythmischen Durchbrüche der Gärbläschen verleihen der Oberfläche eine lebendige Struktur. Zwei in den umgebenden Kies eingebettete Strahler setzen das Kunstwerk auch bei Dunkelheit ins rechte Licht.

Weitere Informationen zu der Skulptur von Eckhard Gehrmann finden sich in den Friedrichsdorfer Schriften, Band 12.