23. Sommerakademie – Impressionen aus den Werkstätten

Lars Keitel, Vorsitzender der Kulturstiftung Friedrichsdorf, leitete durch die Finissage der 23. Sommerakademie, die am 7. August 2026 zu Ende ging. An diesem letzten Nachmittag berichtete jede Werkstatt kurz, was in den fünf kreativen Tagen in der Philipp-Reis-Schule entstanden ist. Dazwischen spielten und sangen Teilnehmende der Folk-, Kammermusik-, Gesang- und Klavierwerkstätten, so dass eine kurzweilige Mischung aus Präsentationen und Musik entstand. Das Publikum konnte die Ergebnisse der Kunstwerkstätten an einzelnen Präsentationstischen sehen und sich für die Musik immer wieder dem Flügel zuwenden.
Geschmiedet wird schon lange bei der Sommerakademie. Dieses Jahr hatte mit Michael Kröger ein neuer Dozent übernommen und die Schmiedeherde angeheizt. Begeistert zeigte er sich auch schon während der Woche von der Kreativität der Teilnehmenden und wies bei der Finissage darauf hin, dass zwei junge Teilnehmer die Werkstatt als Berufsorientierung genutzt hatten – was für ein schöner „Nebeneffekt“.
Die Künstlerbuch-Werkstatt ist ebenfalls schon lange dabei. Die Teilnehmerinnen stellten dem Publikum selbst vor, was ein Buch für die bedeutet. Dieses erste „Friedrichsdorfer Buchmanifest“ machte deutlich: Bücher sind vielfältig. Dozentin Uta Schneider war begeistert von der Fülle, die im Laufe der Woche entstanden ist. Immer wieder eine Inspiration auch für sie. Das merkte man auch, wenn man unter der Woche an dem Raum der Künstlerbuch-Werkstatt vorbeiging. Alle arbeiteten sehr fokussiert.
Die jungen Graffiti-Künstlerinnen und -künstler, die sich mit Dozent Jan-Malte Strijek der Urban Art widmeten, besprühten nicht nur einen Teil der Sporthalle in Seulberg, sondern gestalteten auch Leinwände mit der Spraydose und beschäftigten sich mit Gotischen Majuskeln als Grundlage für Graffiti-Schrift. Das besondere an der Graffiti-Kunst, die man jetzt in Seulberg bestaunen kann, ist, dass sie ein Gemeinschaftswerk ist. Einer der jungen Teilnehmer sagte beim Abschied: „Nächstes Jahr will ich wieder mitmachen“.
Die Schreibwerkstatt war dieses Jahr nach einer Pause wieder dabei. Die Teilnehmenden hatten zum Teil selbst schon Ideen für Texte mitgebracht oder wollten sich erst einmal mit grundlegenden Techniken beschäftigen. Beides war möglich und Dozent Daniel Schneider regte zu Stilübungen an, es entstanden Haikus und konkrete Poesie. In Gruppenlektoraten wurde an Formulierungen gefeilt und von den Rückmeldungen anderer profitiert.
Die Teilnehmerinnen der Lithografie-Werkstatt arbeiteten im Atelier von Dozent Eckhard Gehrmann in Friedrichsdorf. Dort liefen aufgrund der anhaltenden Hitze die Druckpressen „heiß“: Manchmal hafteten die Farben kaum. Trotzdem präsentierten alle am Ende der Woche vielfältige Drucke. Meist wird über einen ersten Druck mit schwarzer Farbe noch eine weitere Farbe gedruckt. Bei einem Besuch im Atelier waren alle in ihre Arbeit vertieft und absorbiert vom Bearbeiten der Drucksteine. Eine tolle Atmosphäre.
Der Dozent Simon Vogt beschreibt die Arbeit bei der Steinbildhauerei ganz anders. Anstatt Farbe aufzutragen, widmet man sich hier der Reduktion des Materials. Stein muss – Schicht für Schicht – entfernt werden, um etwas aus ihm herauszuarbeiten. Er animierte die Teilnehmenden in der Stein-Werkstatt dazu, den Stein förmlich immer wieder zu „begreifen“, um sich von ihm inspirieren zu lassen.
Florence Baumeister, Dozentin der Werkstatt Urban Sketching, ging selbst angefüllt mit Inspiration aus der Woche. Nachdem sie den Teilnehmenden am ersten Tag die Grundlagen von Perspektive, Licht und Schatten vermittelt hatte, ging es bereits am zweiten Tag raus in die Straßen und Höfe von Friedrichsdorf. Auch auf dem Wochenmarkt sind wieder kleine Alltagsszenen lebendig auf Papier gebracht worden. Die Zeichnenden hatten sich zwischen den Ständen am Marktplatz einen Schattenplatz gesucht. Um ein urbaneres Motiv auf den Block zu bringen, hatte sich die Gruppe zum ersten Mal auch den Bahnhof vorgenommen. Die Zeichnungen von S-Bahn und Oberleitungen bildeten einen interessanten Kontrast zu denen aus den pittoresken Höfen rund um die Hugenottenstraße.
Wenn man während der Sommerakademie durch die Schule ging, hörte man überall Musik: Die Teilnehmenden – Jugendliche wie Erwachsene – der Werkstätten Kammermusik und Klavier hatten Unterricht oder übten fleißig in dafür ausgewiesenen Räumen, allein oder im Ensemble. Eine enge Verzahnung der Musikwerkstätten macht es möglich, dass zum Beispiel auch Pianisten bei Sängerinnen Liedbegleitung machen. Und die Gruppe der Folkmusik-Begeisterten ließen Musik durch die Gänge schallen, die auf jeden Fall gute Laune machte.
Zum Schluss der Finissage brachte die Folk-Werkstatt die Aula auch nochmal richtig in Bewegung. Die Teilnehmenden lernten die Stücke, die meist zum Tanz gespielt werden, alle ohne Noten und nur nach Gehör. Wie gut das klappt, stellten sie eindrücklich unter Beweis: Zu dem bretonischen Tanzlied, das sie aufspielten, zeigte die Werkstattleiterin einen Grundtanzschritt und viele hakten sich unter und tanzten mit.
Weitere Beiträge
Kulturstiftung Friedrichsdorf
Geschäftsstelle
Hugenottenstraße 55
61381 Friedrichsdorf
06172 731 – 1296 oder – 1263
kulturstiftung@friedrichsdorf.de